Die Vier Fragezeichen [Reblog]

Meine Antwort auf die Fragen, die in dem Blogbeitrag Junge Männer, die um Frauen werben von Seppo aufauchen…

Merken Frauen es eigentlich, wenn Männer plötzlich auffallend aufmerksam sind? Deuten sie es richtig? Genießen sie es gar? Nutzen sie es aus? Vermutlich gibt es solche und solche, auch ich habe beides erlebt. Und schätze die Frauen, die es freilich nicht ausnutzen.

Ganz ehrlich- Ja, ja, ja und ja[1]. Ist dieses gesellschaftlich wohl etablierte Spiel des Aufmerksamkeit-Suchen-und- Geben nicht eine direkte Folge des Evolutions-Drucks oder vielmehr elementarer Teil des Seins? [2]Lässt sich Aufmersamkeit-Suchen-und Geben irgendwie vermeiden – (was ich nicht glaube) und falls doch – warum sollte man?
Fangen wir doch mal mit der ersten Frage an (mir ist heute so rebellisch zu Mute…)– „Merken Frauen es eigentlich, wenn Männer plötzlich auffallend aufmerksam sind?“ Die Antwort ist hier schon impliziert- auffallend aufmerksam. Also wenn jemand so auffallend aufmerksam ist, dass es auffällt, ist es relativ wahrscheinlich dass es Frauen auffällt.
Interessant (und kompliziert und Stoff aus dem Ratgeber-Landschaften und Frauenzeitschrift-Wüsten gemacht sind) wird es dann, wenn es eben nicht auffallend ist. Oder nicht auffallend genug, dass es so auffallend wäre, dass es auffallen würde. Ich persönlich werde in solchen Kontexten gerne als „naiv“ bezeichnet oder – meiner Ansicht nach viel treffender – auf dem romantischen Auge blind. Ich verstehe Avancen nicht, halte Nett eben für Nett und Aufmerksamkeit ist ja nicht gleich sexuell konnotiertes Gefieder-Aufplustern. Oder doch? Gegenfrage- wenn ein Mann auffallend aufmerksam ist- will er denn dass das auffällt? Oder schafft er nicht, dass er aufhält was auffällt?

Genießen sie es gar?

Klar. [3]Solange die Aufmerksamkeit nicht zu Aufdringlich kippt ist doch Aufmerksamkeit, Höflichkeit und eventuell sogar Komplimente eine der größten Triebfedern unseres Handelns und Facebook-Nutzverhalten. Warum also nicht genießen, von einer Person das Gefühl vermittelt zu bekommen, interessant zu sein, ein nettes Gespräch zu führen… Abgesehen von dem Kontext, den ich jetzt mal ganz grob mit „Flirten“ umreißen möchte, ist Aufmerksamkeit etwas, worum „wir“ (jetzt mal gar nicht allgemein gesprochen) uns doch gerne bemühen (und einer der Gründe warum unsere Konsumgesellschaft so prima funktioniert)- Arbeitsplatz, Freundeskreis, Familie, Sportplatz, Kneipe- Aufmerksamkeit ist etwas Schönes und vor allem – wichtiges. Warum also nicht genießen?
Gehen wir einen Schritt weiter von genießen zu ausnutzen. Auch hier muss ich sagen: ja, bestimmt schon mal vorgekommen.
Das Gespräch am Laufen halten, die spendierten Getränke genießen, bis man (Frau) genug Komplimente bekommen hat und die Freundin in die nächste Bar weiterziehen will- und dann (maximal) mit einem höflichen Lächeln den Mann stehen lassen und in der nächsten Bar ein sehr ähnliches Gespräch nochmal von vorne beginnen… Klingt jetzt nicht unbedingt nach Science-Fiction, oder? Genau zu wissen, dass er XY aus dem Freundeskreis mehr wie nur freundschaftliches Interesse hegt, die nichtsahnende spielen, gleichzeitig das Interesse mit Nettigkeiten hier und da in diesem Schwebezustand am Leben halten, denn wer weiß, wann man mal nen Kerl braucht, der alles stehen und liegen lässt, um in der Stunde der Not rettend einzuschreiten… Wenn der Alkoholvorrat ausgebraucht ist, das Auto nicht anspringt, die Küche eingebaut werden muss, man dringend jemanden zum Fremd- oder überhaupt irgendwohin gehen braucht…Wie du ja selbst meintest- es gibt solche und solche. Und auch ich schätze sowohl Geschlechtsgenossen als auch im Allgemeinen Menschen, dies persönlich nicht so mit ausnutzen haben. Soziale Qualitäten und sowas. Mag ich irgendwie einfach…
Um meinem eigenen Text ganz schnell wieder die Berechtigung zu nehmen: Ich habe keine Ahnung. Ich habe keine Ahnung was Frauen so denken, was Frauen so merken und was Frauen so tun. Ja, ich bin eine Frau. Ich versteh mich oftmals selbst nicht, wie soll ich 3.456.780.650 [4] Frauen auf dieser Welt verstehen?

 

 

[1] Also alle Ja’s mit kleinen Einschränkungen, wie zum Beispiel „ich kann hier nur für mich sprechen, aber…“

[2] „Sein“ hier bitte nicht philosophisch verstehen, davon versteh ich nicht viel. Ich wollte Mensch-Sein schreiben, dann musste ich an Turteltauben denken. Und Pavian-Männchen…

[3] Also außer er ist zu aufdringlich. Oder zu betrunken. Oder zu alt. Oder zu jung. Oder zu hässlich.

[4] Quelle: http://laenderdatenbank.weltbevoelkerung.de/, einfach nur, damit ich hier noch n bisschen rum-zitiert habe …

 

 

 

seppolog

Screenshot_2016-01-03-12-12-23

Wann merkt man, dass man alt ist? Zumindest älter als Jüngere? Wann realisiert man, dass man eben doch nicht 20 geblieben ist, auch wenn man immer selbst von sich glaubt, sich das Jugendhafte bewahrt zu haben?

Ich selber bin absolut davon überzeugt, dass mein geistiges Alter dem körperlichen weit hinterher hechtet. Und das muss stimmen, denn kein vernünftiger Mensch würde das so offenherzig zugeben.

Doch auf der Rückfahrt aus Niedersachsen, Hameln ganz genau, wo wir Silvester verbracht hatten, wurde ich im Zug mit dem konfrontiert, was man als „junge Menschen“ bezeichnet. Ein Typ und ein Mädel, kein Pärchen, haben uns auf unserer Rückreise unfreiwillig zwar, aber sehr gut unterhalten.

Ich rege mich ja hier und da über den Gebrauch von Anglizismen auf, ganz einfach, weil es albern ist. Ich bin damit sehr alleine, ich weiß das und bringe mich eventuell deshalb um. Aber noch nicht heute. Denn meine Mitbewohnerin, die…

Ursprünglichen Post anzeigen 652 weitere Wörter

Und hinter meinen Worten stehst du.

Wenn du das liest, wirst du vielleicht

Nicht hinter die Worte sehen, aber wer weiß

Die ganze Welt könnte es eines Tages lesen

Und darunter wird jemand sein

Der versteht,

Wie es mir damals ging.

 

Wie es mir ging, an diesem Abend,

Als wir uns trafen,

Als es nur möglich gab

Und keine Fragen. Ich mich tragen lies

Von dieser Euphorie, die nur

Das wahre Leben kennt.

 

Das wahre Leben, das heißt:

Dein Blut pulsiert und alles ist

So real und so wahr,

Dass es nur Fiktion sein kann

Doch Fiktion kann es nicht sein

Denn noch denken wir zu viel

Und lassen zu viel

Nicht einfach zurück.

Zwischen Erinnerung und Sein

Für und wegen M. 

Die Nacht ist zu warm zum Schlafen, ich bleib noch am Fenster steh‘n
Sterne zeichnen ihre Bilder, kannst du sie auch so deutlich sehen?
Ich würde sie dir so gerne zeigen, sie sind nur für uns gemacht
Dort wo du bist- wie sind die Sterne? Und wie klingt deine Nacht?

Ich weiß, wir hatten früher mehr und teilen im Moment nicht viel
Auf einem meiner langen Wege, ohne Kompass, Plan und Ziel,
habe ich dein Bild verloren; als es mir aus der Tasche fiel
hab ich‘s nicht mehr aufgehoben, denn ich trag eh schon so viel

Und jede Nacht am Horizont treffen sich unsere Welten wieder,
dann bin ich wieder fast bei dir und summe leise unsere Lieder
Für die Erinnerung brauch ich kein Foto, denk ich an uns oder an dich
Seh ich, dass wir uns den Himmel teilen, die Sterne unser Bindestrich.

Francescas Traum und Lüge

Francescas Traum und Lüge

In diesen Zimmern ticken Uhren rückwärts
Und jeder Tag sieht einer Stunde gleich
Hier wartet Francesca mit mondgleichen Augen,
seit dem sie ihre eigenen Jahre schreibt.

Es lächeln Lügen auf immergleichen Lippen,
eine Eisblume blüht im schnellen Blick,
Die Hände hierhin, dorthin, schnell festhalten
Und die Gedanken sind so weit, weit weg.

Sie ist so schön, mit riesigblauen Augen,
vollem Haar, wenn auch schon grau,
doch sie schläft unter transparentzarter Haut
und träumt ihren eigenen Traum.

Ihre Geschichte gleicht so vielen,
sie selbst gleicht allen, wie sie so daliegt.
Doch wer träumt hier noch eigene Träume?
Wer vergisst die Lügen, Stück für Stück?

Universitäres Plastikmeer

Müde Augen, von Ringen untermalt, Kaffebecher to – go soweit das Auge reicht und die Geräuschkulisse von Seufzern und Flüchen. Diese eindeutigen Kennzeichen für die nahende Prüfungsphase an der Universität werden ergänzt von einer Flut von Plastiktüten, die der deutlichste Indikator dafür ist, dass die Studenten die Tage und oft auch Teile der Nächte in den Lesesälen der Universitätsbibliotheken zum Lernen verbringen. Denn: Die heiligen Hallen -sprich die Bibliotheken- der Uni dürfen nicht mit Taschen oder Rucksacken betreten werden. Zu groß ist die Angst vor Bücherklau und Schokoladenflecken auf den zarten Buchseiten. Um Unterlagen, Ordner und Schreibmaterial sicher von Spind zu Lesesaal transportieren zu können, bietet die Uni kostenlos Plastiktüten an.

Diese reißen selbst bei normalem Gebrauch nach drei, vier Malen, in denen sie vollgepackt von Zuhause zur Uni und wieder zurückgeschleppt werden. Was bleibt ist jede Menge Plastikmüll.

Momentan sind die Plastiktüten von der Bildfläche verschwunden. Was nach einer Errungenschaft pro Umweltschutz klingt ist leider nur ein Teilsieg: die Plastiktüten werden durch stabilere Plastiktüten ersetzt, die länger verwendet werden können, lautet die Auskunft eines Bibliothekars. Warum nicht gleich umsteigen auf die dauerhafte Alternative und Einkaufskörbe anschaffen- so wie es z.B. schon in Passau vom Studentenrat durchgesetzt wurde? „Kostengründe“ antwortete der Bibliothekar. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die – mehr oder weniger – einmalige Anschaffung von Einkaufskörben die laufenden Kosten für tausende von Plastiktüten pro Semester übersteigt.

Die zweite Alternative – Taschen und Rucksäcke in den Lesesälen zulassen – kommt nicht in Frage, aus den bereits genannten Gründen. Dass die Bücher elektronisch gesichert sind und auch in Plastiktüten heiße Ware wie Schokoriegel und Butterbrezen geschmuggelt werden können – und werden – wird dabei wohl nicht mit bedacht.

Dass ausgerechnet an der Universität – die schließlich auch eine Institution für Forschung und Fortschritt darstellt – der inzwischen alltägliche Umweltschutzgedanke untergeordnet wird, ist meiner Meinung nach nicht zu rechtfertigen.

Sommertage, Herbstgedanken

Ich schick dir mein Herz per E-Mail und leg vielleicht noch Blumen bei,
die nach unserem Sommer duften, der in vier Tagen verflogen, vorbei
vorüber gezogen, zerronnen, verstrichen, vergangen, verflossen war,
ein endloser Moment, kurz wie ein Wimpernschlag, lang wie ein Jahr
in dem wir schwebten und lebten, versanken, auftauchten, gefangen
hingen meine Lippen an Worten die deinen Blicken entsprangen.

Und jetzt, wenn ein Gedanke an dich meinem Kopf entweicht,
Im Raum schwebt, zu Boden fällt, wie ein Herbstblatt, federleicht
fliegt mein Stift über Papier, das ich mit bunten Zeilen für dich verzier
wenn ich der ewigen Erinnerung entlang durch dich hindurch spazier‘
den rotgoldnen Blick im Gestern verlier, denk ich an Sommertage, daran
wie alles begann und zwischen unseren Händen bald zart zerrann.

Hollunderblütensommer

~ gewidmet~


Wäre ich ein Kind, würde ich dich heiraten
unter einem Hollunderstrauch.
ich würde dich kühn auf die Wange küssen
mit strahlendem Blick, von innen heraus.
Mein ganzes Leben würde ich dir versprechen
und meinen liebsten Teddybär.
Deine Hand würde ich halten, glücklich schweigend.
Ein Bild würdest du malen, mit einem Stöckchen
in den staubigen Boden zu unseren Füßen.
Wir müssten uns trennen, 
zu Sonnenuntergang am Gartentor 
würde ich dir nochmal nachschauen
dann nach Hause laufen, je schneller ich schlafe,
desto schneller beginnt unser nächster Tag.
Jetzt sehe ich dir zu, wenn du Gitarre spielst,
würde dich gerne begleiten oder deine Hand halten- 
vor meinen Augen tanzen Tage, die wir hätten,
wären wir kindlich unbeschwert.
Eines Tages wird sie sich neben dich setzen
du wirst ihre Hand halten oder sie begleiten
wenn sie Gitarre spielt
und dann werde ich lächeln, den Kopf zur Seite drehen
um noch einmal, nur ganz kurz, Kind sein zu können.
Ich werde lächeln, wenn ich euch zusehe
und dich lieben wie am ersten Tag
alles Glück würde ich in deine Hände legen
wenn ich nur könnte
um deinen Blick, strahlend von innen heraus,
auf Ihr ruhen zu sehen.

Über Doppelmoral und emotionale Bindung zu Kühen

Haben Sie wenigstens ein wenig Verständnis? Fragt der Autor am Ende seines Artikels. NEIN! Ruft meine moralisch-ethisch-hippiewelt-korrekte innere Stimme. In dem gerade gelesene Artikel erklärt der Journalist, warum er – trotz dem guten Willen- beim Einkaufen nicht immer ein Heiliger sein kann.

Nein ich habe kein Verständnis, weil der Autor selbst angibt, dass in dem meisten Fällen, wenn er trotz besseren Wissens zu problematischen Produkten greift, Bequemlichkeit der Grund ist. Und dafür gibt es natürlich kein Verständnis. Denn wo ein Wille da ein Weg, dann muss eben ein wenig Organisation her, um bio-ökologisch-Co2-neutral-ethisch korrekt einzukaufen ohne dafür zwei Stunden zu brauchen … denke ich mir noch und beiße genüsslich in mein Tomate-Mozzarella-Sandwich aus der Uni- Cafeteria. Meine Doppelmoral grinst mir breit und frech ins Gesicht.

Ich achte sehr darauf, was ich esse. Der überwiegende Teil meiner Nahrungsmittel stammt entweder aus dem FAIRteiler, sind also Lebensmittel, die ansonsten im Müllcontainer eines Supermarkts gelandet wären oder aus dem Hof-Laden eines Erzeugers direkt aus der Region. Kleidung habe ich mir schon lange nicht mehr selbst gekauft- ich tausche oder bekomme sie aus der Wechselwelt oder von privaten Tauschparties, Tausch-Communities im Internet oder ähnlichem. Und damit fühle ich mich richtig gut und als hätte ich einen Teil dazu beigetragen, dass unsere Welt nicht gänzlich und sofort den Bach runter geht. Schöner Schein. Denn: auch wenn die Lebensmittel aus dem FAIRteiler in meinen Augen immer noch eine bessere Wahl sind, als beim Discounter ums Eck „ganz normal“ einzukaufen und auch wenn ich Kleidung trage, die unter anderen Umständen völlig grundlos im Müll gelandet wäre, dann erleichtert das mein Gewissen eigentlich zu Unrecht. Ich esse und trinke nämlich sehr gerne Sojaprodukte- auch wenn mir die damit verbundene Problematik bewusst ist. Der getauschte Pullover wurde trotzdem in Bangladesch oder Taiwan oder einem vergleichbaren Land unter menschenunwürdigen Bedingungen von Kinderhänden gefertigt. Ich reise viel und wenn ich auf Mitfahrgelegenheit, Fernbus oder Zug zurückgreife, anstatt selbst mit dem Auto zu fahren, ist es vielleicht besser- aber noch lange nicht gut.

Vielleicht ist mein Konsumverhalten bewusster und stärker durchdacht, als das des Otto-Normal-Verbrauchers, aber wie groß der Teil ist, der noch zu einem wirklich korrekten Konsumverhalten fehlt, übersehe auch ich gerne mal.

Eine möglichst umweltschonende Produktion, faire Löhne und Arbeitsbedingungen, für alle die in den Produktionsprozess und den Weg eines Produktes bis zu mir nach Hause involviert sind und keinerlei Leid und Schaden für Tiere. Das ist mir wichtig und das bezeichne ich als „korrektes Konsumverhalten“. Und mir wird selbst klar, wie utopisch das ist. Zu viele Missstände, die beseitigt werden müssen, zu wenig beziehungsweise zu viel Politik und absolut schwammige Begriffe (was ist denn nun ein „fairer Lohn“?) sind nur ein paar der Hindernisse auf dem Weg zu einem akzeptablen Konsumverhalten. Tragisch für mich ist, dass oft keine Wahl oder Alternative bleibt. Ich habe leider nicht die Möglichkeit, meinen Käse beim Bauern-ums-Eck zu kaufen. Das Bio-Siegel ist mehr Preispolitik als Gewährleistung für wirklich biologisch erzeugte Produkte. Soja kann ich nun mal leider nicht in meinem eigenen Garten anbauen und Kleidung zu kaufen, die aus vernünftigen Produktionsverhältnissen stammt, ist schwierig- und extrem teuer. Womit wir beim nächsten Problem sind: das liebe Geld. Faire Löhne – um nur ein Beispiel zu nennen- schlagen sich natürlich beim Endverbraucher nieder. Und dann stellt sich nicht nur die Frage nach der Bereitschaft sondern, auch schlicht nach der Möglichkeit, dies zu bezahlen.

Was für mich unterm Strich bleibt, ist der Wunsch nach durchsichtigeren Verhältnissen: Eindeutige und einheitliche Siegel, auf die Verlass und deren Bedeutung klar ist. Eine Politik, die umweltschonende und faire Produktionsverhältnisse sowie regionale Anbieter begünstigt und fördert. Und ganz klar die Meinung, dass ein kleiner Beitrag schon sehr viel mehr wert ist, als die Augen (oder das Gewissen) zu verschließen und ungehemmt weiter drauf los zu konsumieren- um mal wieder Omas Weisheit auszugraben: wenn jeder nur einen kleinen Beitrag leistet, dann erreichen wir zusammen sehr viel.


Danke an Tobias Fülbeck für seinen Artikel und damit die Inspiration.
http://www.huffingtonpost.de/tobias-fuelbeck/lasst-mich-doch-in-ruhe-einkaufen_b_7168468.html
Informationen zur Wechseltwelt bzw. Transition Regensburg gibt es hier: http://www.transition-regensburg.de/

Eine kleine Geschichte, wie sie im Alltag passiert sein könnte.

Ich stolperte in seine Augen. Ich fühle mich hilflos und auf eine klein-Mädchen-Art verlegen. Der Wind reist an meinem Regenschirm und ihn mir fast aus der Hand. Strähnen nasser Haare hängen mir in die Stirn, die Brille so besprenkelt, dass ich kaum etwas sehe, außer einem grauen Schleier aus Wasser. In der einen Hand den Schirm, in der anderen den Becher Coffe-to-go versuche ich, die Brille ein Stückchen weiter die Nase hoch zu schieben, dass sie nicht vollends herunter rutscht. Alles, was ich erreiche, ist, einen Kaffeefleck auf meiner Nase zu hinterlassen. Ich grinse schief, selbst ein wenig amüsiert über meine eigene Tollpatschigkeit. Aus den Augenwinkeln, halb schielend, um bloß nicht meinen Kopf auffällig weit zu ihm drehen zu müssen, sehe ich ihn an. Er ist trocken geblieben- ein kleines Wunder bei dem Wetter- und lehnt lässig an der Rückwand der Bushaltestelle. Er hat mich nicht mal wahrgenommen, da bin ich mir sicher. Ich konzentriere mich auf das unregelmäßige Kopfsteinpflaster zu meinen Füßen, um meinen Sehsinn irgendwie zu beschäftigen. Im Kopf summt ein Lied vor sich hin, wird lauter, bis ich es nicht mehr überhören kann:

„Immer wenn es regnet, muss ich an dich denken, wie wir uns begegnet sind, kann mich nicht ablenken, nass bis auf die Haut, so stand sie da-      A – N- N-A.“

Ich verfolge mit den Blicken das Regenwasser, das sich am Straßenrand seinen Weg in den nächsten Gully bahnt: kleine Ströme die zu reißenden Bächen werden. Je genauer ich sie betrachte desto mehr reißen sie meine Gedanken fort. Ich lass sie los, sie sich treiben, wie ein Laubblatt auf einem Fluss strömen sie voran, tiefer in die Parallelwelt des Liedes, das mich nicht mehr loslässt.

„Mein Herz das klopft, die Nase tropft, ich schäme mich, benehme mich dämlich, bin nämlich eher schüchtern“.

Ich lächle ohne es zu wollen. Ich mag die Geschichte, die das Lied erzählt, auch wenn – oder gerade weil- es kein happy End gibt. Nur dieser kleine Moment, in dem sie so nah und vertraut und selbstverständlich sind. Einer diese gestohlenen Momente im Leben, in dem die Uhren anders ticken- oder langsamer oder auch gar nicht. Einen Moment, den es eigentlich gar nicht geben kann, zu kitschig, zu romantisch, zu literarisch für unsere Welt und der doch geschieht, einfach so. Ich blicke auf, zurück geworfen in den grauen Dienstag-Morgen durch den herannahenden Bus. Ich will mich umdrehen und exekutiere mit meinem Schirm fast – ihn. Ich entschuldige mich hastig, sehe ihn halb verlegen, halb verzweifelt ob meiner eigenen Tollpatschigkeit von unten herauf an. Er grinst, ich bin erleichtert – und gleich wieder gefühlt vierzehn Jahre alt, als er mich fragt, ob denn der Bus zur Uni fährt. Ich bejahe und sehe ihn noch ein letztes Mal, von hinten, als er in den Bus einsteigt. In den Bus, mit dem ich auch hätte fahren sollen. Den ich jetzt verpasst habe, genauso wie die Chance wenigstens ein paar Worte mit ihm zu wechseln, weil sich eine Stimme, durch die Musik hindurch, hartnäckig in meinem Kopf Gehör verschafft. Und sie flüstert all diese kleinen Boshaftigkeiten, die mein Unterbewusstsein so gerne in solchen Situationen auskramt. Mit halbem Ohr höre ich zu, während ich in Gedanken dem Lied nachhänge – bis ich es zur Seite schiebe. Sie hat ja Recht, diese fiese kleine Stimme. Was soll’s mit diesen was-wäre-wenn-Gedanken. Mein Leben ist keine Jukebox und schon gar kein Wunschkonzert. Nie im Leben hätte er mit mir geredet. Wahrscheinlich nicht mal wirklich wahrgenommen. Er wollte wohl einfach nur wissen, ob der Bus zur Uni fährt. Da muss ich grinsen, ich kann es nicht aufhalten, es wird größer, nimmt fast mein ganzes Gesicht ein. Ich sehe zu Boden, damit es keiner sehen kann, sehe ich doch bestimmt mit diesem Gesichtsausdruck äußerst grenzdebil aus. „Universität“ hatte auf dem Bus gestanden. Entweder war er Analphabet oder mein Unterbewusstsein hatte diesmal doch nicht recht gehabt.


Danke an Freundeskreis für ihr wunderbares Lied A-N-N-A

Warum der Femismus sich selbst köpft – Oder: Zusammen sind wir stark

„Der Feminsmus ist tot“

… sagte ich gestern in einem langem Gespräch einem guten Freund. Bevor ich jetzt im Geiste gesteinigt oder als patriarchalische Karrierehexe verteufelt werde, möchte ich erklären, wie ich mich zu dieser gewagten Aussage verleiten lies.

Ich sehe den Feminismus und seinen Kampf nicht als hinfällig oder als überflüssig geworden- ganz im Gegenteil. Ich sehe, dass die Missstände, die der Feminismus anprangert, in unserer Gesellschaft nach wie vor präsent sind. (Auch wenn ich mir hier erlaube von einer tendenziellen Besserung der Verhältnisse bzw. einer drastischen Verbesserung, wenn man die letzten hundert Jahre betrachtet, zu sprechen.) Die Missstände sind nicht nur präsent, sondern sogar schwerwiegend- und so gar kein „Frauenproblem“.

Das große Problem, dass der Feminismus bekämpft, ist der strukturelle Sexismus in unserer Gesellschaft – und der geht alle an!

Der Begriff bezeichnet Diskriminierung aufgrund des Geschlechts einer Person und schließt damit nicht nur Benachteiligung, sondern auch Stereotype, Vorurteile und Herabwürdigungen mit ein.
Wenn also ein Mann, der sich Elternzeit nehmen möchte, im Büro als „Weichei“ belächelt wird, ist das genauso sexistisch, wie die Fälle, in denen Kinderpfleger bei der Besetzung einer Stelle benachteiligt werden oder offenes Misstrauen bis harsche Vorwürfe, wie zum Beispiel pädophile Motivation, ertragen müssen.
Homo-, Bi-, Inter- oder Transsexuelle bzw. Transgender leiden ebenso unter Sexismus, was an dem Namen deutlich wird, unter dem die Herabwürdigung von oben genannten Person zusammengefasst wird: „Heterosexismus“.

Warum also nicht das „Feindbild Mann“ des Feminismus endlich überwinden und Männer als das sehen, was sie sind: nämlich genauso Opfer des Patriarchats, von Rollenbildern und tradierten Denkmustern. Und das nicht nur, wenn sie offen herabgewürdigt oder diskriminiert werden, weil sie „nicht Manns genug“ sind, sondern genauso, wenn sie einen offenen Posten mit einem Mann, statt einer Frau besetzen (trotz vergleichbarer Abschlüsse, Lebensläufen und Leistungen) weil in ihrem Unterbewusstsein die von klein auf eingeimpften Leistungszuschreibungen, Stereotype und Vorurteile das Ruder in die Hand nehmen. (Ich möchte mich hier unmissverständlich ausdrücken: ich rede hier von Entscheidungen, die unterbewusst ablaufen!) Sexismus ist nicht immer eine freiwillige, böse Tat der fiesen Männer, die sich an Machtpositionen klammern und Frauen in die Küche schicken. Ich sehe Sexismus viel mehr als ein Problem, dass in unserer Gesellschaft tief verwurzelt ist, eine lange Historie hat und gerade deswegen nur sehr schwer eliminiert werden kann.

Dass diese Eliminierung aber dringend notwendig ist – und zwar in allen Teilen unserer Gesellschaft, unabhängig von dem Gender einer Person – liegt für mich auf der Hand, da der Sexismus die wirklich freie Entfaltung jedes einzelnen be- oder verhindert, Leistungsdruck und falsche Erwartungen generiert, spaltet, selektiert und diskriminiert. Frauen leiden unter diesem Missstand momentan noch deutlich stärker als Männer – das heißt aber nicht, dass nicht auch unter Männern Leidensdruck herrscht.
Und genau dort setzte ich mit dem an, was ich die „Post-Gender-Debatte“ nenne: eine Allianz gegen den strukturellen Sexismus, gemeinsam von Männern und Frauen, von Homosexuellen, Bisexuellen, Inter- und Transsexuellen, von allen, die sich keiner Kategorie zuordnen möchten und allen, die sich nicht durch ihr Gender sondern durch ihr Mensch-sein definieren.Denn zusammen sind wir mehr und je mehr wir sind, desto lauter und stärker sind wir auch und desto größer wird die Durchschlagskraft unserer Forderungen.

Denn wenn die verkrusteten Strukturen des Patriarchats aufgebrochen, die Rollenmuster dekonstruiert, unsere Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten nicht mehr eingeschränkt werden von vorgefertigten Bildern- dann kann Gerechtigkeit etabliert werden- zwischen Männern, Frauen, homosexuellen Paaren, Transgendern und jenen, die sich keiner Kategorie zurechnen möchten – und unsere Gesellschaft kann sich ein weiteres, beachtliches Stück in eine bessere Gesellschaft wandeln.


Ich möchte mich an dieser Stelle bei Anne Wizorek und Katja Kipping bedanken, die mich bei der gestrigen Podiumsdiskussion „Let’s talk about Sex, Gender and Politics“ inspiriert haben.